Schwerter Netz für Jugend und Familie

Station West

Niederstraße 32
58239 Schwerte
Telefon: (0 23 04) 93 93-56 78
Telefax: (0 23 04) 93 93-56 79
e-Mail: station-west@schwerter-netz.de

Die erste Idee
Eine Station, in der Kinder und Jugendliche „rasten“ oder „Halt machen“, zur Ruhe kommen, Versorgung, Fürsorge und Zuwendung erfahren und - vorübergehend oder dauerhaft - Orientierung, Schutz und Stärkung finden können. Das soll die Station West sein, flexibel und auf den Bedarf des jungen Menschen ausgerichtet; keine „klassisch stationäre Wohn- oder Verselbständigungsgruppe“ oder „neue“ Familie und auch kein Lebensort zur langfristigen Beheimatung von Kindern. Es ist vielmehr die Idee und der Versuch, auch bei unklaren und unterschiedlichen Zeitperspektiven des Hilfebedarfs auf die individuellen Bedürfnisse der Einzelnen einzugehen, und zwar ausdrücklich mit einem eher niedrigem Betreuungsaufwand, aber hoher Flexibilität und Kreativität.

Der rechtliche Rahmen
Das Angebot ist Hilfe zur Erziehung im Sinne des Kinder- und Jugendhilfegesetzes und wird auf Grundlage der §§ 27 i. V. mit § 32, § 34, § 35, § 35a, § 41, § 42 SGB VIII geleistet.

Der junge Mensch
Für Jungen und Mädchen im Alter von 10 bis 17 Jahren kann in entsprechenden Bedarfs-/ Krisen- und Konfliktfällen der vorübergehende, kurz-, mittel- oder langfristige Verbleib oder die wiederholte, notwendige Aufnahme gewährleistet werden. Dies kann beispielsweise erforderlich werden, wenn bei einer Herausnahme der zukünftige Verbleib des Kindes unsicher ist; wenn in einer Krise zwischen Eltern und Kindern eine „Auszeit“ zur Entlastung und Entspannung hilfreich ist; wenn ein Jugendlicher immer wieder zwischen Elternhaus und Maßnahme pendelt, u. a. Dabei soll sich die Hilfe sehr eng an dem Bedarf und dem Bedürfnis des jungen Menschen bzw. der Familie orientieren, d. h. der Grad der Versorgung und persönlichen Betreuung sowie Dauer der Unterbringung, ob 1 Wochenende, mehrere Tage, einzelne Nächte oder Wochen, Monate oder auch Jahre richtet sich nach dem, was für den Einzelnen als erforderlich angesehen wird.

Zum anderen werden unter dem gleichen Dach Kinder im Alter von 7 bis 14 Jahren, die aus dem Stadtteil oder der näheren Umgebung kommen, tagsüber betreut. Sie haben die Möglichkeit, vor und nach der Schule bis zum späten Nachmittag, ggf. auch Abend, bei Bedarf auch am Wochenende den „Tagesraum“ mit Versorgung und Betreuung in Anspruch zu nehmen. Dabei kann es sich um jüngere Kinder handeln, die in der offenen Ganztagsschule nicht zurecht kommen und einen ausdrücklichen Bedarf an Erziehungshilfe haben; sowie die etwas Älteren, deren existentielle Bedürfnisse in ihrem Elternhaus nicht ausreichend befriedigt werden, bei denen eine stationäre Unterbringung aber nicht verhältnismäßig wäre; sowie Kinder/ Jugendliche, die nicht zur Schule gehen und als „Schulverweigerer“ gelten. In entsprechenden Notfällen kann auch die Übernachtung in der Einrichtung in Frage kommen bzw. organisiert werden.

Die individuelle Zielsetzung
Im Vordergrund steht für jeden einzelnen zunächst die Sicherung der elementaren Grundbedürfnisse nach Unterkunft, Nahrung, Kleidung, Unversehrtheit, Gesundheit und Zuwendung. Darüber hinaus werden die Ziele individuell erarbeitet: für den einen ist es die Bewältigung akuter familiärer Krisen, bei dem anderen die Entwicklung eigener Lebensperspektiven, bei dem nächsten der Erhalt des sozialen Bezugssystems. So unterschiedlich die Kinder und Jugendlichen sind, die zu uns kommen, so wenig vergleichbar sind die Ziele und auch die Regeln und Bedingungen, die für sie gelten.

Das alte Haus
Ein altes Pfarrhaus, ein Garten mit Terrasse, umgeben von schönen alten Bäumen, mitten im Kern Westhofens, neben Kirche und Kindergarten. Ein Ort mit einer ganz besondere Atmosphäre, der schon den einen oder anderen verzaubert hat. Die 5 Kinder- bzw. Jugendzimmer werden in der Regel einzeln bewohnt, sie sind individuell und gemütlich eingerichtet. Die multifunktionalen Räume im Erdgeschoss sowie ein „Jugendkeller“ bieten Platz für Begegnung, Gemeinschaft, Spielen und Lernen.

Die unterschiedlichen Mitarbeitenden
Vier pädagogische Kräfte und eine hauswirtschaftliche Mitarbeiterin bilden das „Team West“, das im Bedarfsfall durch die Kolleginnen und Kollegen der ambulanten Erziehungshilfe des Schwerter Netzes ergänzt wird. Flexibler Personaleinsatz stellt bei Bedarf Beziehungskontinuität sicher. So können Jugendliche, die aus der ambulanten in die stationäre oder teilstationäre Hilfe wechseln, in der Station leben und wieder zurückkehren, ihre Bezugsperson von Beginn bis Ende der Erziehungshilfe behalten, d. h. durch unterschiedliche „Stationen“ in ihrer Entwicklung begleitet werden. Unterstützt wird die professionelle Betreuung durch die Mitarbeit der Eltern, wenn das möglich erscheint. Auf diese Weise soll der Grundsatz realisiert und gewahrt werden, so viel Eigenverantwortung und –erziehung wie möglich so wenig Fremdverantwortung und – erziehung wie nötig. Die Eltern werden motiviert und dahingehend unterstützt, sich vor Ort aktiv an der Erziehung und Versorgung und Betreuung ihres Kindes zu beteiligen.

Die konkrete Leistung
Lebensraum für Jungen und Mädchen von 10 bis 17 Jahren.
Im Rahmen einer ganzheitlichen Rund-um-die-Uhr-Betreuung werden Grundversorgung, Erziehung und Förderung sichergestellt. Organisation bedarfsgerechter Strukturen, Entwicklung lebenspraktischer Fähigkeiten, Förderung der Familienbeziehungen und Begleitung der schulischen Entwicklung bilden vorrangige Schwerpunkte.

Tagesraum für Jungen und Mädchen von 7 bis 14 Jahren.
Die Leistungen der Grundversorgung, Erziehung und Förderung werden ähnlich wie im Lebensraum bzw. soweit möglich in der Gemeinschaft mit den hier wohnenden Kindern und Jugendlichen erbracht. Die Tageskinder übernachten jedoch nicht in der Einrichtung, sondern halten sich dort nur tagsüber auf. Im Vordergrund steht die Bereitstellung von Strukturen und Fürsorge in Ergänzung zum Elternhaus.

Nachtraum für Jungen und Mädchen von 12 bis 17 Jahren
Für die jeweilige Nacht wird dem Jugendlichen „Obdach“ gegeben, d. h. es werden ein Bett zur Verfügung gestellt und die existentiellen Grundbedürfnisse nach Nahrung, Kleidung, Hygiene und Gesundheit befriedigt. Parallel dazu geht es zunächst um eine Kontaktaufnahme.

Zusatzleistungen
In der engen Verbindung mit der ambulanten Erziehungshilfe können zusätzliche Leistungen nach individuellem Bedarf abgesprochen und vereinbart werden. Z. B. psychologische Diagnostik, Perspektivklärung und -planung, zielgerichtete Trainings, intensive Familienarbeit, Erlebnispädagogik, Ausweitung der Betreuungszeiten im Tagesraum etc.

Die gelebte Vernetzung
Die „Station West“ bietet in enger Vernetzung mit den ambulanten Hilfen zur Erziehung des Schwerter Netzes, dem Sozialen Dienst der Stadt Schwerte und der freien Träger und der Erziehungsberatung Ansprechpartner, Raum und Hilfe für junge Menschen und ihre Familien. Eine multifunktionale Nutzung der Räumlichkeiten wird angestrebt. So soll die Präsenz von Mitarbeitern der Erziehungsberatung sowie des Sozialen Dienstes möglich sein, so dass Beratung direkt vor Ort gewährleistet werden kann, und im Abendbereich können Eltern-/ Nachbarschafts- oder ähnliche Gruppen stattfinden. Wir wünschen uns ein lebendiges und für den Stadtteil offenes Haus; Besucher, Ratsuchende, Freunde und Eltern unserer Kinder und Jugendlichen sind ausdrücklich willkommen und erwünscht. Das Angebot ist eng in die vorhandene Infrastruktur eingebunden; somit ergeben sich perspektivisch viele Kooperationsmöglichkeiten und damit Chancen für effiziente und effektive Nutzung von personellen und materiellen Ressourcen. In unmittelbarer Nähe befinden sich Ev. Gemeindehaus, Kindergärten und in der Nachbarschaft, das Jugendzentrum und die Grundschule. Bei einer Mutter-Kind- Aufnahme könnte das Kind die benachbarte Einrichtung besuchen; Jugendarbeit im Gemeindehaus bzw. Jugendzentrum könnte gemeinsam mit Jugendlichen der Station stattfinden; im Kindergarten könnten Praktikantenplätze zur Verfügung gestellt werden; für Jugendliche, die die Schule vorübergehend nicht besuchen (können), könnten unterschiedliche Arbeitsgelegenheiten, wie Gartenarbeit, Spielplatzgestaltung, Organisation des Mittagstischs, Mithilfe im Gemeindehaus u. a. geschaffen werden. Die Zusammenarbeit mit der offenen Ganztagsschule und dem Kinderhort in der Stadtmitte könnte weiter entwickelt werden. Nicht zu vergessen sind die Nachbarschaften und die Bekanntheit in diesem Stadtteil, was für eine sozialräumlich und Ressourcen orientierte Jugendhilfe entscheidende Grundlage ist.

Der formale Weg
Wenn Eltern denken, dass sie es allein nicht schaffen, Kinder bzw. Jugendliche Hilfe brauchen, wenden sie sich an das örtliche Jugendamt. In einem weiteren Schritt wird gemeinsam überlegt und geprüft, was die richtige Hilfe für die Familie sein kann. Wenn die „Station West“ (zunächst) der richtige „Raum“ ist bzw. sein soll, wird ein erster Kontakt schnellstens organisiert.